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Der Dorfheld
Es waren einmal zwölf Bauern, die wanderten in die Stadt, um ihr Getreide mahlen zu lassen. Als das Getreide gemahlen war, nahmen sie jeder einen Mehlsack auf den Rücken und machten sich auf den Heimweg. Auf einem unübersichtlichen Pfad, der viele Bogen machte, kamen sie an einem Kaktuswäldchen vorbei. Da fiel einem der Bauern plötzlich ein, seine Weggenossen zu zählen, um sich zu überzeugen, ob sie auch keinen unterwegs verloren hätten. Die anderen mussten sich also aufstellen und er zählte sie. Aber er vergaß sich selbst dazuzuzählen, so dass er nur bis elf kam. „Halt!", rief er aus. „Einer fehlt!" „Aber wieso denn? Warum sollte einer fehlen?", zweifelte ein anderer. „Zähl doch selbst", sprach der Erste. Nun zählte der andere Bauer seine Weggenossen und auch er vergaß, sich selbst dazuzuzählen. „Ja, du hast Recht, wir sind tatsächlich nur elf; einer fehlt", stellte er fest. Dann zählte ein Dritter und kam ebenfalls nur bis elf. „Oh weh!", jammerte er, „einer von uns ist vom Pfad abgeirrt und einem Leoparden zum Opfer gefallen!" Und alle zwölf beweinten ihren Weggenossen, den das Raubtier zerrissen hatte. Danach setzten sie ihren Weg fort und schalten sich die ganze Zeit über, dass sie nicht besser auf den zwölften Acht gegeben hatten. „Wie konnten wir ihn nur aus den Augen verlieren!", jammerte der eine. „Wir sind schuld, dass er zurückblieb und dem Leoparden zum Opfer fiel!", sprach ein anderer. „Und noch dazu solch einem Riesenleoparden!", fügte ein Dritter hinzu. „Und wie fürchterlich wild dieser Leopard war!", rief ein Vierter aus. „Und wie tapfer er mit ihm gekämpft hat, noch dazu mit der bloßen Hand, ohne jede Waffe!", ergänzte ein anderer. „Ein wahrer Held!" „Der Tapferste weit und breit", rief wieder ein anderer aus. „Und er hat nicht einmal geschrien vor Schreck!" „Was wird nur seine arme Frau sagen, wenn sie erfährt, dass ihr Mann von einem ganzen Rudel Leoparden zerrissen wurde!" „Eine unglückliche Familie, die ohnehin schon genug Sorgen hat!" „Er war nicht nur tapfer, sondern auch gutherzig und rechtschaffen", lobte ein anderer. So beweinten sie ihren Weggenossen bis nach Hause und kamen mit lautem Wehklagen in ihrem Dorf an. Die Leute kamen ihnen entgegen gelaufen und hörten sie jammern. „Oh weh! Auf dem Heimweg ist etwas Furchtbares geschehen! Ein schreckliches Unglück!" Und die zwölf erzählten, wie ihnen ihr Weggenosse verloren ging, wie er mit dem Leoparden kämpfte und wie er dann eines ruhmreichen Todes starb. Das ganze Dorf trauerte um seinen tapferen Sohn. Unterdes spielte ein kleines Mädchen zwischen den Mehlsäcken, die die heim-gekehrten Bauern auf der Straße abgestellt hatten. Die Kleine begann aus Lange-weile die Säcke zu zählen - und es waren zwölf. Sie lief zu ihrer Mutter und sprach: „Da draußen stehen zwölf Säcke." „Schweig", antwortete die Mutter böse. „Ein braver, tapferer Mann ist umgekommen!" Und die Frau weinte mit den anderen. „Mutter", sagte das Mädchen nach einer Weile wieder, „wenn zwölf Mehlsäcke da sind, dann müssen auch zwölf Männer gekommen sein." Daraufhin lief die Mutter hinaus und zählte die Säcke ebenfalls. „Wirklich! Hier stehen zwölf Säcke. Du hast Recht. Dann müssen auch zwölf Männer nach Hause gekommen sein!", rief sie aus. Daraufhin zählte der Dorfrichter die Männer. „Aber ihr seid doch zwölf!", sprach er schließlich. „Der, den ihr verloren habt, muss mittlerweile auch angekommen sein!" Da waren die Bauern außer sich vor Freude. „Sieh mal einer an! Da hat er sich ganz allein, ohne jede Hilfe von dem Leoparden befreit und ist nach Hause gekommen!", jauchzte der eine. „Ein wirklicher Held! Er hat den Leoparden mit der bloßen Hand besiegt!", sprach ein anderer. „Es ist eine große Ehre für unser Dorf, dass wir einen solchen Helden haben!" In ihrer Freude veranstalteten sie ein großes Fest, sie sangen und tanzten, aßen und tranken, bis sie nicht mehr konnten. Und die Alten erzählen ihren Enkelkindern noch heute von dem tapferen Bauern, dem berühmten Helden, der seinem Dorf durch Kraft und Mut so großen Ruhm verlieh.
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